Gespräche mit Arbeitnehmervertretern gut vorbereiten
"Kommunikative Verstimmungen" sind Hauptgrund für Scheitern von Gesprächen mit Betriebsräten
Gespräche mit den Arbeitnehmervertretern gehören nicht gerade zu den Wunschterminen mittelständischer Unternehmer und Führungskräfte, wenn Sie zum Beispiel eine Neuerung durchsetzen wollen – dann sind Gespräche mit Betriebsräten oft eine Herausforderung. Umso wichtiger ist es, dass Sie, um Ihre Sache optimal zu vertreten und möglichst auch durchbringen zu können, nicht auch noch in das eine oder andere, potenziell verfügbare Fettnäpfchen treten.
Wie jüngst wieder eine kommunikationswissenschaftliche Studie aus den USA ergab, scheitern viele Gespräche zwischen Parteien mit manchmal widerstreitenden Interessen nicht an der Unmöglichkeit, sich tatsächlich sachlich einigen zu können, sondern an „kommunikativen Verstimmungen“.
Überhebliches Auftreten und sprachliche Tiefschläge zählen allemal zu den Hauptgründen dafür, dass mache Verhandlungen zäher und schwieriger vonstatten gehen als andere und manchmal sogar praktikable Lösungen verhindern, mit denen beide Seiten eigentlich leben könnten. Daher einige Tipps:
- Bedenken Sie zu Beginn des Gesprächs mit Arbeitnehmervertretern, was sie eint (das gemeinsame Interesse an einem starken Unternehmen) und nicht was sie trennt. Dazu ist es wichtig, dass Sie bereit sind, sich von vornherein in die Sichtweise Ihrer Betriebsräte hineinzudenken. Nur so können Sie Ihre Argumente genau auf die Ihres Verhandlungspartners abstimmen.
- Um ein vertrauensvolle und auch in schwierigen Zeiten tragfähige Zusammenarbeit zwischen Betriebsrat und Management zu erreichen, müssen Sie als Arbeitgeber den ersten Schritt tun – indem Sie sich auf eine faire, zielführende Kommunikation einlassen, die mögliches Konfliktpotenzial zunächst einmal minimiert. Überraschen Sie Ihren Gegenüber und treten Sie bescheiden auf!
- Behalten Sie immer das große Ganze (Ihr Unternehmen) im Auge. Erklären Sie also dem Betriebsrat, dass Sie nichts anderes als die beste Lösung für die Mitarbeiter anstreben und erläutern Sie im Detail, inwiefern mit Ihrer Lösung die gesamte Belegschaft gewinnt.
- Arbeiten Sie im Vorfeld Zugeständnisse aus und stellen Sie sich bei jeder Auseinandersetzung mit dem Betriebsrat die Frage, wie Sie seinen Forderungen entgegenkommen können. Im Gegenzug erwarten Sie natürlich auch ein Zugeständnis.
- Machen Sie sich auch in der Sache nochmals fit. Allein rhetorische Brillanz oder ein besonders selbstbewusstes Auftreten können kein wackeliges Argument ersetzen. Ihr Gesprächspartner merkt dann schnell, dass Sie „schwimmen“ und wird entsprechend misstrauisch – was eine vertrauensvolle Zusammenarbeit auch in anderen Zusammenhängen erschwert.
- Betriebsräte stellen ihre Forderungen gern als unumgängliche Maßnahmen dar, die unbedingt notwendig für das Wohlergehen von Belegschaft und Betrieb seien (Weiterbildungsseminare, Einführung flexibler Arbeitszeiten usw.). Lassen Sie sich genau nachweisen, dass solche Maßnahmen erforderlich sind und dass diese Wünsche aus den Reihen der Belegschaft gekommen sind. Muss der Betriebsrat in diesem Zusammenhang eingestehen, dass er den Bedarf noch nicht ermittelt hat, fordern Sie ihn explizit dazu auf. So gewinnen Sie zunächst einmal einige Zeit.
-
Versuchen Sie abweichende Meinungen nicht einfach hinzunehmen, sondern aktiv zu steuern. Ziehen Sie beispielsweise „Bedenkenträger“ auf Ihre Seite, indem Sie jeden einzelnen ansprechen, nach seinen Gründen für die abweichende Meinung fragen, evtl. vertiefende Sachinformationen liefern und dann versuchen, die Bedenken zu zerstreuen.
Gute Argumente sind eine Voraussetzung für erfolgreiche Gespräche, aber die Gegenseite einfach mit noch so brillanten oder wortgewaltigen Salven einfach abzuschießen, ist keine Lösung. Mit einem Verhandlungsergebnis müssen immer beide Seiten zufrieden sein, sonst ist es nicht gut. Keine der Parteien sollte als überlegener Sieger oder als gedemütigter Verlierer aus dem Besprechungszimmer gehen.
Sorgen Sie also für eine Win-Win-Situation. Und: Sollte das Gesprächsergebnis tatsächlich einmal mehr als deutlich zu Ihren Gunsten ausgefallen sein, demonstrieren Sie dies keinesfalls mit allzu deutlichen Siegerposen – die nächste Runde kommt bestimmt.
Weiterführende Literatur:
Mohr, Udo und Wodok, Andreas: Erfolgreich mit dem Betriebsrat zusammenarbeiten. Ein Leitfaden für kleine und mittlere Betriebe (Praxisreihe Mittelstand). 2006

