Trainieren Sie Ihre Entscheidungsfreude!
Was tun Sie, wenn es Schwierigkeiten gibt? Gehören Sie eher zu den Gestaltern oder zu den Aussitzern?
Was tun Sie, wenn es Schwierigkeiten gibt? Gehören Sie eher zu den Gestaltern oder zu den Aussitzern?
Manche Menschen gehen bei Schwierigkeiten offensiv nach vorne. Damit übernehmen sie Führung und die Verantwortung für sich selbst und andere. Das sind die "Gestalter". Andere gehen Problemen lieber aus dem Weg und lassen die Gestalter machen. Damit verschärfen sie ihr Problem, denn oft meinen es andere ja nicht gerade gut mit diesen "Aushaltern". Verabschieden Sie sich deshalb aus der Passivität und nehmen Sie das Ruder selbst in die Hand.
Ent-Scheiden bedeutet auch, sich von etwas zu trennen. In diesem Fall von den Alternativen, die Sie verworfen haben - es ist also immer ein Risiko. Auf einer oft unzureichenden Wissensbasis müssen Schlüsse gezogen und Risiken abgewogen werden. Hier trennen sich oft die Wege, in die der aktiven Gestalter und die der tendenziell passiven Aushalter. Ob das nun mehr an der Zusammensetzung der Botenstoffe im Hirn wie Dopamin und Serotonin liegt oder an genetischer Veranlagung oder soziologischen Einflüssen wie der Erziehung, ist noch nicht eindeutig geklärt. Für Sie ist das auch gar nicht so erheblich, weil Sie Entscheidungsfreude und Entschlusskraft zu einem großen Teil auch trainieren können.
Dabei müssen Sie sich nicht zum "Super-Gestalter" entwickeln, denn auch hier liegen Schwächen: Sehr starke Gestalter werden von Ehrgeiz, Machthunger, Gier und Sucht nach Anerkennung angetrieben. Sie sind oft rücksichtslos gegen sich und andere, ungeduldig und unachtsam. Zudem zeigen sie sich auch verletzlich: Als ausgeprägter Gewinnertyp sind sie auf den Erfolg angewiesen. Bleibt dieser aus, stürzt der Gestalter schnell in Selbstzweifel. Hier kann er vom vermeintlich Schwachen, dem Aushalter, lernen!
Der "Aushalter" ist häufig gesellschaftlich sehr erfolgreich, beliebt und diplomatisch geschickt. Den absoluten Gestaltungswillen ersetzt er durch Anpassungswillen. Doch das kann zu einer Lähmung, zu Mitläufertum und Versagensangst führen. Wie immer liegt das Gift in der Dosis. "Aushalter" sollten sich klarmachen: Nicht die Umstände im Leben sind Schuld an ihrer Situation, sondern die Tatenlosigkeit, diese Umstände zu ändern! Diese Tatenlosigkeit resultiert oft aus der Angst vor negativen Konsequenzen. Dagegen gibt es ein ganz einfaches Gedankenspiel: "Was würden Sie tun, wenn Ihnen der Erfolg für Ihr Handeln garantiert wäre. Wenn es nicht schief gehen könnte?" Mit dieser Sicherheit "im Nacken" definieren sich Ziele - auch große - auf einmal sehr leicht. Brechen Sie Ihr Ziel in Teilschritte auf und hinterlegen Sie diese mit einem Zeitplan.
Der "Gestalter" kennt seine Ziele genau, will aber oft zu viel, zu schnell und gleichzeitig. Damit gefährdet er sowohl seinen Erfolg als auch seine Beziehung zu anderen Menschen. Auf dem entschiedenen Weg der positiven Veränderungen vom passiven Re-Agierer zum kraftvollen Agierer gibt es immer wieder die Zwischen-Schritte des Innehaltens und der Bilanzierung. Notieren Sie die ersten - und dann folgenden - positiven Erfahrungen, die Sie seit Beginn Ihres persönlichen Neuanfangs gemacht haben. Bestärken Sie sich damit immer wieder Ihrer Aktionskompetenz. Agieren bedeutet nicht, in blinden Aktionismus auszubrechen, sondern seine Möglichkeiten aktiv zur Erreichung des gesetzten Zieles zu formen, zu entwickeln und einzusetzen.
Autorin: Dr. Andrea Kiendl, tippund.info GmbH 2006
Literaturempfehlung
Buhr, A.: Agiere. Schritte zur Kraft des Handelns. Orell Füssli Verlag Zürich 2005.

